Von:
Heinrich Bedford-Strohm

e-bischof.de

„Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof oder Papst geweiht sei, obwohl es nicht jedem ziemt, solches Amt auszuüben.“

So schreibt Martin Luther 1520 und damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Aber einer Erklärung bedarf es doch: Es ist ein großartiger Gedanke, dass durch die Taufe alle Christinnen und Christen gleich sind – mit dem gleichen Heiligen Geist begabt, die Bibel zu verstehen, für die großen und kleinen Dinge zu beten, andere Menschen zu segnen, mit Freude vom Glauben zu reden. Aber weil nicht alle alles machen können und sollen, gibt es Pfarrerinnen und Pfarrer, die in besonderer Weise dieses allgemeine Priestertum ausüben und damit auch in besonderer Weise Verantwortung für ihre Gemeinden und die Kirche übernehmen.

Ein Bischof nun – ganz gleich, ob er Präses, Kirchenpräsident, Landesbischof oder Generalsuperintendent heißt, ist letztlich nichts anderes als ein Pfarrer mit allgemeinkirchlichen Aufgaben (so heißt es auch in meiner Urkunde) im weitesten Sinne des Wortes – er hat Verantwortung für eine ganze Landeskirche. Freilich nicht allein – Gott sei Dank. Aber doch immerhin so, dass man schwindelfrei sein muss. Und gleichzeitig darauf vertrauen kann, dass der Heilige Geist bei diesem Amt – oder besser: Dienst – wohl helfen wird.

Was macht ein Bischof nun den lieben langen Tag? Er steht morgens auf und liest, nach Zähneputzen und bei einem doppelten Espresso, Bibel und Tageszeitung, schwingt sich auf sein Rad und kümmert sich dann im Büro um das, was anliegt.

Da sind Gespräche zu führen, Briefe zu beantworten, es finden Begegnungen mit vielen Menschen statt, die dabei angesprochenen Themen werden reflektiert und es sind mehr oder weniger weitreichende Entscheidungen zu fällen.

Da gibt es Interviewtermine, die helfen sollen, das, was uns als Kirche wichtig ist, in der Öffentlichkeit rüberzubringen. Der Bischof bereitet seine Predigten vor und freut sich dann besonders an den schönen Gottesdiensten, in denen er sie halten darf. Und vielleicht erzählt er auf seiner landesbischöflichen Facebookseite dann davon. Ich finde das alles eine wunderbare Aufgabe, auch und gerade weil ich weiß, dass alle in der Kirche Priester, Bischof oder Papst sind.